
Die Farbe eines Objekts (Minerals) ist keine wirkliche Stoffeigenschaft. Farbe ist eine Wahrnehmung und hĂ€ngt von der Lichtquelle und unserem Sehsystem ab. Wird ein Mineral (z.B. Azurit) von einer Lichtquelle (Photonenquelle), wie z.B. der Sonne bestrahlt, werden in der Kristallstruktur bestimmte Atome/Ionen, bzw. deren Elektronen angeregt und in ein höheres Energieniveau gehoben. Im Azurit geschieht dies hauptsĂ€chlich in den d-Orbitalen der Cu2+-Ionen. Entspricht die Energie eines Photons also genau dem Unterschied zwischen zwei Energieniveaus eines Elektrons, wird das Photon absorbiert, und das Elektron springt auf das höhere Energieniveau. Photonen mit anderen Energien (WellenlĂ€ngen) werden nicht absorbiert und stattdessen reflektiert. In Azurit absorbieren diese Cu2+-Ionen Photonen aus dem roten und gelben Bereich des Lichtspektrums. Das ĂŒbrigbleibende Licht (Photonen), das hauptsĂ€chlich aus den blauen WellenlĂ€ngen besteht, wird abgegeben und erscheint fĂŒr unser Auge als Blau.
Eine weitere Ursache der Farberzeugung von Mineralen sind Gitterfehler in der Kristallstruktur, sogenannte Farbzentren. Ein hĂ€ufig vorkommendes Beispiel sind F-Zentren, die entstehen wenn in der Struktur des Mineral bestimmte Atome/Ionen fehlen (Leerstellen). Die leeren Stellen werden durch ein oder mehrere Elektronen besetzt, welche fĂŒr eine spezifische Absorption bestimmter WellenlĂ€ngen sorgen und das jeweilige Mineral dadurch FĂ€rben. Eine hĂ€ufige Ursache dieser Gitterfehler in der Natur ist radioaktive Bestrahlung (meistens α-Teilchen), z.B. durch vergesellschaftete Minerale, mit radioaktiven Nukliden in ihrer Struktur. Weitere Beispiele fĂŒr Farbzentren sind M-, R- oder N-Zentren.
Man unterscheidet allgemein unter der idiochromatischen und der allochromatischen FĂ€rbung. Idiochromatisch sind Minerale, deren Farbe aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung eindeutig und charakteristisch ist. Das bedeutet, dass die Farbe auf das Vorhandensein bestimmter chemischer Elemente zurĂŒckzufĂŒhren ist, die ein integraler Bestandteil der Kristallstruktur des Minerals sind. Ein Beispiel fĂŒr ein idiochromatisches Mineral ist Malachit, dessen charakteristische grĂŒne Farbe auf das Vorhandensein von Kupfer zurĂŒckzufĂŒhren ist, welches wiederum ein fester Bestandteil der Kristallstruktur ist. Im Gegensatz dazu haben allochromatische Minerale eine variable Farbe aufgrund von Spurenelementen, EinschlĂŒssen oder Defekten in der Kristallstruktur, wie zum Beispiel Quarz, der je nach Art der Beimengung und Reinheit unterschiedliche Farben aufweisen kann.
In einigen FĂ€llen kann das Sonnenlicht eine Auswirkung auf die FarbverĂ€nderung von Mineralen haben, insbesondere der hochenergetische UV-Anteil. So kann die Strahlung mit derartig geringer WellenlĂ€nge Farbzentren zerstören, Ionen reduzieren oder oxidieren (z.B. Fe2+ zu Fe3+) oder sogar feste chemische Bindungen in der Kristallstruktur zerstören. Um VerfĂ€rbungen durch Sonnenlicht zu vermeiden, sollten Mineralien idealerweise nicht direkt der Sonne ausgesetzt werden und in dunklen oder kĂŒhlen RĂ€umen aufbewahrt werden.